Struktur der alltäglichen Arbeit

Das kleine Kind benötigt für eine ungestörte Entwicklung Sicherheit im Alltäglichen. Nur, wenn es dort Kontinuität erlebt, kann es sich entspannt seinem Tun hingeben.

Dies können wir Erwachsene nachvollziehen. Auch uns fällt es leichter, uns auf Aufgaben zu konzentrieren, wenn sie in uns bekannte und nachvollziehbare Abläufe eingebettet sind und wenn wir die Menschen um uns herum kennen und einzuschätzen wissen. Für uns Erwachsene bedeutet das Gegenteil dessen vielleicht die notwendige Herausforderung, um unseren Alltag nicht langweilig, sondern interessant zu erleben. Für ein Kind aber hat das Alltägliche noch so viel Neues zu bieten, dass es Beständigkeit als notwendige Grundlage für alle neuen Erfahrungen unbedingt benötigt. Deshalb wollen wir den uns anvertrauten Kindern Sicherheit im Alltag und feste Bezugspersonen bieten. Dies erreichen wir durch die Bildung fester Kindergartengruppen, in denen die Kinder von der Aufnahme bis zur Einschulung zusammenbleiben. So entsteht in den Gruppen eine Altersmischung, die für das soziale Lernen und Voneinanderlernen sehr förderlich ist.

Um den Kindern in diesem Bereich Orientierung zu geben, haben wir die Altersstufen benannt: Im ersten Kindergartenjahr sind die Kinder Sternenkinder, danach werden sie Mondenkinder und im letzten Kindergartenjahr werden sie zu Sonnenkindern. Zu wissen, zur Gruppe der Sternen-, Monden- oder Sonnenkinder zu gehören, stärkt die Kinder und hilft ihnen, sich selber in den eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. Mit den Bezeichnungen sind außerdem bestimmte Verhaltensweisen und Notwendigkeiten verbunden. Sternenkinder sind unsere neuen Kinder, die erst alles kennen lernen müssen und um die wir uns entsprechend kümmern. Der Hinweis „es ist doch noch ein Sternenkind” bedeutet für die anderen der Gruppe Verständnis, Hilfe und Rücksichtnahme. Mondenkinder kennen unseren Alltag und entdecken stolz und freudig im Jahreslauf wiederkehrende Ereignisse und Tätigkeiten. Sie sind unbeschwert aktiv und erweitern ihre Fähigkeiten auf allen Ebenen. Anregend dazu wirken besonders die Sonnenkinder der Gruppe, ob beim Malen, Kneten, Werken, Handarbeiten, Singen, Tisch decken, Fegen etc. Das Können der Sonnenkinder ist ersichtlich und macht sie zu anerkannten Vorbildern in der Gruppe. Besondere Aufgaben und Aktivitäten heben die Sonnenkinder hervor und fördern sie in ihrer Entwicklung zum Schulkind.

Die Erzieherinnen gestalten die Abläufe in ihren Gruppen so, dass sich Zeiten, in denen die Kinder Freiräume haben, um ihren eigenen Spielimpulsen zu folgen, mit Tätigkeiten abwechseln, in die alle Gruppenmitglieder eingebunden sind. Das ermöglicht jedem Kind seinen individuellen Bedürfnissen nachzugehen, um dann in Phasen, in denen das Geschehen von den Kindergärtnerinnen vorgegeben und angeleitet wird, neue Schaffenskraft für den nächsten Abschnitt zu sammeln.

Tagesablauf:

Der Kindergartentag gliedert sich in geführte und von den Kindern frei gestaltete Abschnitte, in die hauswirtschaftliche und kreative Angebote eingebettet sind. Er beginnt mit einer Phase des freien Spiels, die nach dem Aufräumen in den Morgenkreis mit Sing- und Bewegungsspiel und das gemeinsame Früh
stück mündet. Anschließend findet wiederum eine Freispielzeit, diesmal im Garten bzw. Wald, statt. Zum Abschluss des Vormittags folgt dann das Erzählen einer Geschichte im Märchenkreis. Danach besteht je nach Betreuungsform die erste Möglichkeit des Abholens. Die Kinder, die über Mittag bleiben, essen gemeinsam in ihren Gruppen. Dann folgt eine Ruhe- und Freispielphase, nach der die Kinder spätestens um 14 Uhr abgeholt werden. Nach der Mittagsruhe bzw. dem Mittagsschlaf in der Tagesgruppe, verbringen die Kinder die Zeit des nachmittags mit Freispiel und künstlerisch handwerklichen Angeboten. Zwischendurch stärken sich die Kinder beim gemeinsamen Imbiss. Die geltenden Abholzeiten sind unterschiedlich geregelt.

Wochenablauf:

Auch im Ablauf der Woche finden die Kinder einen sich wiederholenden Rhythmus. Mit jedem Wochentag sind Tätigkeiten und Erlebnisse verknüpft, die allwöchentlich wiederkehren und den Kindern so einen verlässlichen Rahmen bieten.

Jahresablauf:

Die alljährlich wiederkehrenden religiösen und traditionellen Feste sowie die Jahreszeiten prägen die Inhalte des Reigens, des Märchens und der handwerklich künstlerischen Tätigkeiten ebenso, wie die Gestaltung des Raumschmuckes und der Jahreszeitentische. Die Kinder erleben die wiederkehrenden Abläufe immer aus anderem Blickwinkel und daher neu und dennoch vertraut. Den Tabellen im Anhang ist beispielhaft zu entnehmen, wie Tag, Woche und Jahr in unseren Kindergärten detailliert gestaltet sind.

Konzept

Die Pädagogik

Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, hat uns in seinen Ausführungen zum Menschenbild aus Sicht der Anthroposophie ein umfassendes Werk hinterlassen, das die Grundlage unserer Arbeit im Kindergarten bildet.

Ernährung

Gemeinsame Mahlzeiten – Eine entspannte, familiäre, persönliche Atmosphäre ist den Gruppen in unseren Waldorfkindergärten ganz besonders wichtig.

Was ist Eurythmie

Entstehung und Entwicklung der Eurythmie – Inmitten einer Zeit des geistesgeschichtlichen Umbruchs im Jahre 1912 schuf Rudolf Steiner eine neue Bewegungskunst, die Eurythmie, die als sichtbarer Gesang, sichtbare Sprache verstanden und entwickelt wurde.

Freispiel

Für die erste Freispielphase im Gruppenraum bieten wir den Kindern viele verschiedenartige Spielbereiche an, um ihren jeweiligen Grundbedürfnissen und Spielinteressen entgegen zu kommen:

Garten und Wald

Kinder lieben es, draußen zu sein und zu spielen, herumzutollen und die Geheimnisse der Erde zu erforschen, zu bauen und die Erde und den Sand zu bearbeiten.

Kunst im Kindergarten

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.`` - Pablo Picasso -

Märchenkreis

Um einen gesunden Rhythmus leben zu können, muss dieser Zeit nun eine Zeit des Einatmens folgen. Dies ist mit dem Märchenkreis gegeben: Die Kinder sitzen ca. 15 Minuten still und lauschen einer Geschichte.

Morgenkreis

Zum Morgenkreis sammelt die Erzieherin bzw. der Erzieher die Kinder mit einem Lied um sich. Dann werden der Jahres- oder Festeszeit entsprechende rhythmische Reime, Sing- und Klangspiele in bewegte Formen gebracht.

Sinnespflege

Unsere Sinne sind die Tore zur Welt. Sie vermitteln uns alle Eindrücke, die wir benötigen, um unsere Umgebung und uns selber in ihr wahrzunehmen.

Struktur der alltäglichen Arbeit

Das kleine Kind benötigt für eine ungestörte Entwicklung Sicherheit im Alltäglichen. Nur, wenn es dort Kontinuität erlebt, kann es sich entspannt seinem Tun hingeben.

Aktivitäten

Neben den christlichen Jahresfesten, die im Kindergarten gefeiert werden, gibt es weitere „besondere“ Tage, die zum Leben der Kindergartengemeinschaft gehören.